Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player.

Startseite Aktuelles/News Geschichte Typen & Hersteller Galerie  Sammlung Neuzugänge Restaurierung und Rep. Rund um die SM Impressum Aktiv Carissima Continental Geniatus Groma Glashütte G & O Ideal/Erika Imperial Kappel Karli Monofix/Monika Meteor/Vasanta Perkeo Polygraph Presto Urania Venus Victoria SM; Frauen... Zubehör SM Möbel SM Kunst Minimuseum Blinden-Schreibmaschinen Kuriositäten Werbung Bilder aus der Fertigung Links Das makabere Sonderzeichen 

Continental

Die "Wanderer-Werke AG" in Chemnitz-Schönau ca. 1930

Die Geschichte der Wanderer–Werke Chemnitz-Schönauund deren legendären „Continental“ SchreibmaschinenDie Gründer Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolf JaenickeJohann Baptist Winklhofer wurde am 23. Juni 1859 in München-Bogenhausen in Bayern geboren. Sein Vater war Bierbrauer, Obermälzer in der Löwenbrauerei München. Da nur im Winter gebraut wurde, verdiente der Vater im Sommer sein Geld als Maurer. Johann Baptist Winklhofer war das zweitälteste Kind von sechs Geschwistern. Des Vaters Verdienst war gering und deshalb versuchte der zwölfjährige Sohn mit zu verdienen, indem er sonntags den Brauknechten der Löwenbrauerei die hohen Stiefel putzte. Stolz erfüllte ihn, als er der Mutter das erste selbst verdiente Geld abgeben konnte.Als siebenjähriger Junge sah er erstmals einen jungen Mann, der auf einer Draisine, einem Laufrad, fuhr. Er rannte begeistert neben diesem ältesten Fahrradtyp der Welt her und vergaß das sein Leben lang nicht.Sein Vater hatte ihn für den Beruf eines Fleischers ausersehen. Winklhofer aber bat nach Beendigung seiner Schulzeit, er möge ihn bei einem Mechaniker in die Lehre geben. So lernte er bei dem Mechaniker Böhm und erhielt nach zweijähriger Lehrzeit am 18. Oktober 1874 ein glänzendes Zeugnis, in dem ihm sein Meister die volle Zufriedenheit und die Achtung seiner Kollegen bestätigte.Als Geselle arbeitete Winklhofer bei einer Münchener Firma. Von Juni 1875 an war er vier Jahre lang als Dreher im Königlich-Bayerischen Hauptlaboratorium in München tätig. Nach kurzer Tätigkeit in der Maschinenfabrik Huber in Ingolstadt wurde er in der Königlichen Pulverfabrik in Ingolstadt als Arbeiter für „feinere maschinelle Arbeiten“ beschäftigt. Vom März 1881 bis Juni 1884 war er in der Königlichen Geschossfabrik in Ingolstadt tätig.Winklhofer liebte es sehr, sich in seiner Freizeit dem Sport zu widmen. Besonders beliebt war um das Jahr 1880 das damals nicht ganz ungefährliche Hochradfahren. Jede freie Stunde übte er, sodass er im Jahre 1881 zum ersten Mal als Sieger aus einem Radrennen hervorging.Der Erfolg des Meisters Hoffmann, der sich in der Ingolstädter Pulverfabrik in seinen Freistunden ein Fahrrad selbst hergestellt hatte, regte Winklhofer 1881 an, sich ebenfalls ein Fahrrad zu bauen. Bald hatte auch er sich ein Rad gebaut und schon nach kurzer Zeit weitere Räder fertiggestellt, deren Verkauf für je 500 Mark (damals ein sehr hoher Preis) ihm eine Aufbesserung seines Einkommens ermöglichte.In Ingolstadt trat Winklhofer einem „Velociped-Club“ bei und genoss bald als siegreicher Rennfahrer in den weitesten Kreisen hohes Ansehen. Diese Beziehungen zu Radfahrerkreisen sollten später von großem Vorteil für ihn sein.Der Münchner Nähmaschinenhändler Chr. R. Schad wollte sein Nähmaschinengeschäft erweitern und beabsichtigte Fahrräder zu verkaufen. Dafür hatte er den als Rennfahrer bereits bekannt gewordene Winklhofer ausersehen. Dieser sollte als Reisevertreter und Fahrlehrer für das Geschäft arbeiten. Nach kurzer Tätigkeit in Lindau und Berchtesgaden übernahm er die Fahrschule im sächsischen Zwickau. Dort gab es einen säumigen Zahler - Richard Adolf Jaenicke. Winklhofer mahnte ihn so energisch, dass er meinte, dies sei ein Mann von seinem Schlag. Er forderte ihn auf, mit ihm zusammen zu arbeiten.Richard Adolf Jaenicke wurde am 25. Dezember 1858 in Chemnitz geboren. Seine Vorfahren waren Beutlermeister, die hauptsächlich Lederhandschuhe hergestellt hatten. 1873 begann er seine Ausbildung als Maschinenbauer in der Werkzeug-maschinenfabrik „Union“ (vormals Diehl) in Chemnitz. Im Anschluss arbeitete er drei Jahre in der Nähmaschinenfabrik von Clemens Müller in Dresden (später auch Her-steller der Urania Schreibmaschinen) als Mechaniker und erwarb sich dabei gediegene Kenntnisse. Dann ging er auf Wanderschaft und arbeitete in verschiedenen deutschen Städten und ab 1881 drei Jahre lang in bedeutenden Fabriken in den USA als Schlosser und Mechaniker. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland lernte er Winklhofer in Zwickau kennen. In mehreren Besprechungen fassten sie den Entschluss, ein Nähma-schinengeschäft zu gründen. Doch gewannen sie bald den Eindruck, dass dem Fahrrad wohl eine größere Zukunft bestellt sei. Und so einigten sie sich dahingehend, in Chemnitz ein Geschäft einzurichten mit dem Zweck, sowohl englische Hochräder der beliebten Marke „Rudge“ aus Coventry zu verkaufen als auch Fahrräder zu reparieren.Winklhofer erstatte seinem Chef Schad in München Bericht über seine Absicht, aber dieser riet im dringend, bei ihm zu bleiben, da er auch bei ihm sein Einkommen weiter verbessern könne. Winklhofer schrieb daher Jaenicke ab. Dieser aber war hartnäckig und verstand es, in einer persönlichen Aussprache in Ingolstadt Winklhofer endgültig für seine Pläne zu begeistern.Die Gründung des UnternehmensAm 15. Februar 1885 erschien im „Chemnitzer Tageblatt“ eine Anzeige über die Gründung der Firma „Chemnnitzer Velociped-Depot Winklhofer & Jaenicke“ Damit war der Grundstein für die späteren Wanderer-Werke gelegt. Mit ein paar tausend geborgten und 600 ersparten Mark wird in der Chemnitzer Poststraße 38/39 (spätere Hausnummer 75) das Fahrradgeschäft eröffnet. Hinter diesem eindrucksvollen Namen verbargen sich zunächst zwei bescheidene Räume von etwa 50 m² Fläche im Erdgeschoss, wovon der kleinere als Kontor und der größere als Werkstatt und Lagerraum diente.Mit zwei Arbeitern, Thieme und Schob, begann der Betrieb. Die Einrichtung war äußerst einfach. Sie bestand aus zwei Schraubstöcken, einer Fußdrehbank, einem Schmiedefeuer und dem zugehörigen Handwerkszeug. Die Inhaber hatten von Anfang an das Bestreben, nur beste Arbeit zu leisten und für die beste Facharbeit holten sie sich allmählich immer mehr ausgezeichnete Arbeiter nach Chemnitz, die sie durch hohe Löhne bei der Firma hielten. Bald setzte auch die Kundenwerbung ein. Sie richteten einen ständigen Radsportkurs ein, der im Ballhaus „Elysium“ unterrichtet wurde. Als Mitglieder des „Ersten Chemnitzer Bicycleclubs“ versuchten sie bei Ausflügen in die Chemnitzer Umgebung immer weitere Freunde für den neuen Sport zu gewinnen. Die hohe Qualität der von ihnen zum Verkauf angebotenen Hochräder und Ausrüstungsstücke, besonders aber die in ihrer Werkstatt fachmännisch ausgeführten Reparaturen ver-schafften den Unternehmern bald einen ansehnlichen Kunden- und Bekanntenkreis. Schon nach einem Jahr war man soweit, vom Fahrradhandel zur Fahrradherstellung überzugehen. Am 1. Februar 1886 mussten geeignetere Räume in der Theaterstraße 14 bezogen werden. Zu den zwei Arbeitern gesellten sich weitere 20 hinzu. Im ersten Jahr waren 100 selbst hergestellte Fahrräder das Ergebnis der fleißigen Arbeit. Das Fabrikat, das ein schnelles „wandern“ ermöglichte, erhielt auf Anregung Winklhofers den Namen „Wanderer“. Die Firma wurde am 4. Januar 1887 in „Chemnitzer Velociped-Fabrik Winklhofer & Jaenicke“ umbenannt. 90 Tage später brannte ihre Fabrik ab. Doch schon am nächsten Tag hatten die Unternehmer neue Fabrikräume im Grundstück Hartmannstraße 11 gefunden und produzierten sofort weiter.Der Originaltext einer damaligen Werbeanzeige lautete:„Zu Beginn der Fahrsaison empfehlen wir unsere selbstfabricierten „Wanderer“ Zwei- und Dreiräder, welche sich wegen ihrer sorgfältigen Ausführung schnell beliebt gemacht haben. Außerdem halten wir stets Lager in Orig. “Rudge“ Bicycles und liefern auf Wunsch jedes andere gute System. Reparaturen erfolgen von jetzt ab wieder in bekannter Solidität.“Von nun an ging es schnell bergauf mit der jungen Firma, die bald in größere Gebäude umziehen musste. Im Jahre 1895 wurden bereits 3.136 Fahrräder gebaut. Die Marke „Wanderer“ gewann einen guten Ruf und der Umsatz stieg ständig, obwohl die Preise für Wanderer-Fahrräder nicht die niedrigsten waren.Die vorhandenen Räume reichten deshalb bald nicht mehr aus. 1894 erwarben Winklhofer und Jaenicke im Chemnitzer Vorort Schönau ein Areal von 19.000 m² und bauten darauf ein Verwaltungs- und Lagerhaus mit 52 Metern Front, dahinter einen Bau mit 2.500 m² Nutzfläche, ein Maschinenhaus, ein Kesselhaus, Stall und Wagenremise. Gleich gegen-über errichteten die Unternehmer ein Doppelhaus für sich selbst.1896 ging die Entwicklung vom Hochrad hin zum Niederrad. Aber für diese Umstellung reichte die Kapitaldecke nicht mehr, also half die Dresdner Bank bei der Gründung einer Aktiengesellschaft. Mit einem Grundkapital von 1,1 Millionen Mark wurde diese am 15. Mai 1896 als „Wanderer Fahrradwerke AG, vorm. Winkelhofer & Jaenicke“ gegründet. Die Belegschaft umfasste jetzt 375 Personen. Direktoren waren die beiden Gründer. Der Jahresabschluss ermöglichte 13 Prozent Dividende. Im Jahre 1897 zog sich Jaenicke, er ist gerade erst 39 Jahre alt, vom Geschäft ins Privatleben zurück und ging nach Dresden. Winklhofer wurde alleiniger Vorstand. Reiche Anregungen brachte er der Firma von Reisen ins Ausland mit, wo er inter-nationale Fachausstellungen besuchte.Im Jahre 1902 entschloss auch er sich im Alter von 42 Jahren, nach 30jähriger angestrengter Arbeit, jüngeren Kräften die Leitung des Unternehmens zu überlassen und zog sich nach München zurück. Er blieb jedoch bis zu seinem 70. Geburtstag am 23. Juli 1929 technischer Berater und Aufsichtsratsmitglied. In München gründete der zum "Königlich Bayerischen Kommerzienrat" ernannte Winklhofer im Jahr 1916 die Firma "Johann Winkelhofer & Söhne", die Antriebsketten für Fahr- und Motorräder herstellte und die Generalvertretung für "Continental"-Schreibmaschinen für Südbayern ausübte. Diese Firma existiert noch heute unter dem Namen "IBIS" und der Urenkel Johannes Winklhofer ist Geschäftsführer.Richard Adolf Jaenicke, der ebenfalls noch Mitglied des Aufsichtsrates war, starb am 22. Oktober 1917. Zu seinem Andenken entstand die Jaenicke-Stiftung für Alters-beihilfen, die Werksangehörigen zugute kamen.Die Entstehung der „Continental“-SchreibmaschineUm die Jahrhundertwende war der Bedarf an Fahrrädern durch die große Anzahl der ent-standenen Fahrradwerke stark rückläufig, sodass sich die neue Leitung nach anderen Fertigungszweigen umsehen musste. Wanderer begann die Motorradproduktion und erwei-terte seine bisher interne Werkzeugmaschinenproduktion für Kundenaufträge. Die Zukunftsträchtigkeit der Fertigung von Schreibmaschinen wurde erkannt und mit deren Entwicklung begonnen. Diese war komplizierter als gedacht, da die bis dahin, vor allem aus Amerika bekannten Schreibmaschinen mit zahlreichen Patenten geschützt waren, die aus Kostengründen möglichst umgangen werden sollten. Deshalb musste eine völlige Neukonstruktion her.Wie schon bei der serienmäßigen Fahrradproduktion folgte man auch hier dem Grundsatz, dass nur eine qualitativ ausgezeichnet konstruierte und gebaute Schreib-maschine in Massenproduktion zum Erfolg führen wird. Man erkannte auch, dass der von Franz X. Wagner in den USA erfundene Typenhebelantrieb mit sofort sichtbarer Schrift den modernsten Anforderungen an eine Schreibmaschine entsprach. So kam es in mehrmonatiger Entwicklungsarbeit zur Konstruktion der „Continental“-Standard-schreibmaschine, die bei Produktionseinführung 1904 mit 60 Patenten geschützt war. Die enormen Summen an Arbeit, Geld und Zeit, die die Entwicklung gekostet hatten, gestatteten keine nachträglichen Änderungen. Deswegen musste alles wohl überlegt und erprobt sein, ehe die endgültige Ausführung festgelegt wurde. Damit bestand aber auch die Gewähr, dass das entwickelte Erzeugnis verkaufsreif war.So entstand unter der Leitung des Konstrukteurs Julius Mohn das, was die Welt seit dem Jahre 1904 als „Continental“-Schreibmaschine kennt. Sie war perfekt von Anfang an und hat sich in Folge dessen in den kommenden Jahrzehnten in ihrem Äußeren kaum verändert, wenn sie auch im Laufe der Zeit selbstverständlich zahlreiche Verbesse-rungen und Zusatzeinrichtungen erhielt. So entstanden die „Continental“-Buchungsschreibmaschine mit Rapidus-Einwerfer sowie die rechnende „Continental“-Buchungsschreibmaschine.Die Standardschreibmaschine erhielt 1929 mit der „Continental“-Kleinschreibmaschine eine kleine Schwester und stand Pate, als im Jahre 1934 die erste deutsche geräuschlose Schreibmaschine „Continental Silenta“ entstand.Im April 1934 wurde die „Continental Silenta“ im Hotel Kaiserhof in Berlin der Regierung, den Behörden und Vertretern von Wissenschaft, Handel und Industrie vorgestellt. Das Erscheinen der Maschine bezeichnete die Fachpresse als einen „Marktstein in der Geschichte der deutschen Technik“. Sie verfügte über einen völlig neuen und aufwändigen Typenhebelantrieb, der einen extrem leisen Typenaufschlag ermöglichte.Nach den KSM-Modellen 34, 35 und 50 kam 1938 ein viertes Modell der KSM heraus, das Modell 100. Es hatte als herausragende Neuheiten vorn liegende Tasten zur Bedienung der Rand- und der Kolonnensteller. In den Kriegsjahren wurde das vereinfachte Modell 200 auf den Markt gebracht. Auf Grund des Handelsembargos gegen Deutschland wurde das Modell 200 fast ausschließlich in die Schweiz geliefert.Der Fortgang der Schreibmaschinenfertigung nach dem Weltkrieg wird im unteren Text beschrieben.

Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolf Jaenicke

Chronologie der Wanderer-Werke von 1885 bis 2003Vom unaufhörlichen Aufstieg eines Handwerksbetriebes zu einem deutschen Großunternehmen bis zu dessen Untergang1885: Gründung der Firma „Chemnnitzer Velociped-Depot Winklhofer & Jaenicke“ in der Chemnitzer Poststraße1886: 100 Fahrräder wurden in diesem Jahr hergestellt. Winklhofer erfindet für sie den Namen „Wanderer“.1887: Umzug in größere Räume in die Theaterstraße und Umbenennung in „Chemnitzer Velociped-Fabrik Winklhofer & Jaenicke“ Die Jahresproduktion beträgt bereits 100 Fahrräder.1894: Bau eines neuen Werkes im Chemnitzer Vorort Schönau1895: Wanderer stellt das 10.000. Fahrrad her.1896: Beginn der Produktion von Fräsmaschinen Umstellung der Fahrradproduktion vom Hoch- auf das Niederrad. Gründung der: „Wanderer-Fahrradwerke AG, vorm. Winklhofer & Jaenicke.1902: Die Motorradproduktion beginnt. Die Fahrradfertigung stagniert. Es werden neue Geschäftsfelder gesucht. Im Mai beschließt man, Schreibmaschinen zu produzieren.1903: Das erste Modell einer Schreibmaschine wird fertiggestellt. Sie ist durch 60 Patente geschützt und hat sichtbare Schrift. 1904: Im Mai wird die erste von 400 in diesem Jahr hergestellten Schreibmaschinen ausgeliefert.1905: Über 1.300 „Continental“ Schreibmaschinen werden im Zweischichtbetrieb produziert.1908: Da die Fertigung von Fahrrädern bei weitem nicht mehr überwiegt, erfolgt am 15. Januar die Umbenennung in: Wanderer-Werke, vormals Winklhofer & Jaenicke AG.1909: Im obersten Geschoss eines der vierstöckigen Hochbauten wird für die 800 Werksangehörigen eine „Speiseanstalt“ eingerichtet, eine für die damalige Zeit beispielgebende soziale Errungenschaft.1910: Die 20.000. Schreibmaschine wird ausgeliefert. Im Februar begeht die Firma ihr 25jähriges Bestehen.1911: Läuft der erste Wanderer Kleinkraftwagen 5/12 PS (Zweisitzer) vom Band, nachdem seit 6 Jahren sorgfältige Studien gemacht und verschiedene Versuchswagen hergestellt worden waren. Grand Prix für die Continental-Schreibmaschinen auf der Brüsseler Weltausstellung.1912: 2.000 Beschäftigte bei Wanderer Beginn des Baues des bekannten fünfgeschossigen Gebäudekomplexes mit den markanten Turmbauten der Wanderer-Werke, welcher durch den Ersten Weltkrieg erst 1917 beendet werden konnte.1913: Das Versuchsmodell einer Addier- und Subtrahiermaschine ist fertiggestellt (Versuche seit 1909).1914: Kriegsbedingter starker Rückgang der Schreibmaschinenproduktion1915: Das erste fabrikationsreife Modell der Addier- und Subtrahiermaschine wird vollendet.1916: Am 16. November wird die Continental Adier- und Subtrahiermaschine Nr. 1 geliefert.1917: Wanderer kauft neue Grundstücke in Chemnitz-Siegmar. Am 22. Oktober stirbt der Firmengründer Richard Adolf Jaenicke.1918: Überall herrscht Hunger in Deutschland. Wanderer pflanzt auf allen nicht bebauten Grundstücken Kartoffeln an und schafft Kühe und Schweine an, um den Beschäftigten auch Nahrung zu bieten.1919: Wanderer–Autos bekommen elektrische Beleuchtung und Anlasser.1920: Wanderer erhöht bei ersten Anzeichen der Inflation das Aktienkapital auf 10,5 Millionen. Die 10.000. Fräsmaschine wird hergestellt. Die Continental – Addier- und Subtrahiermaschine kann mit elektrischem Antrieb geliefert werden.1921: Auf dem Gelände in Schönau werden 240.000 m² neue Werkhallen gebaut.1922: Inflation: Der letzte Geschäftsabschluss in alten Mark: 6.021.727.132.239. Erhöhter Büromaschinenumsatz.1923: Die Wanderer-Werke geben über 119 Milliarden Mark Notgeld aus.1927: Wanderer investiert 1,6 Millionen Mark. Teile des neuen Werkes in Siegmar gehen in Betrieb. Im Mai wird mit dem Entwurf der “Continental“ Kleinschreibmaschine begonnen.1928: Bei den Standardschreibmaschinen wird der Setzkolonnensteller eingeführt.1929: Im September wird die erste Serie der neu eingeführten Kleinschreibmaschine „Klein Continental“ aufgelegt und die Herstellung im Fließverfahren eingerichtet. Versuchen für den Bau einer geräuschlosen Schreibmaschine beginnen. Die Motorradproduktion wird aufgegeben und an die Prager Firma Janacek verkauft. Unter der Bezeichnung „JAWA“ (JAnacek-WAnderer) werden noch viele Jahre Wanderer-Motorräder gebaut.1930: Gründung der Continental Büromaschinen GmbH, Berlin.1932: Das erste Modell der ersten deutschen geräuschlosen Schreibmaschine „Continental Silenta“ wird fertiggestellt. Abgabe der Automobilsparte an die Auto Union AG.1933: Das zweite Modell der „Silenta“ ist fertig, die Fabrikation startet im September.1934: Die „Continental“ Standard-Schreibmaschine mit der Herstellungsnummer 500.000 verlässt das Werk. Wanderer ist der größte Büromaschinenhersteller Europas. 100.000 Fahrräder werden in diesem Jahr produziert.1935: Fünfzigjähriges Bestehen des Unternehmens. Bilanz: 800.000 Fahrräder, 600.000 Schreib-, Addier- und Buchungsmaschinen, 27.000 Kraftwagen, 16.000 Werkzeugmaschinen. Von 1935 bis 1940 erhielt jeder Werksangehörige eine Weihnachtsgabe. Das war eine erzgebirgische Holzfigur, hergestellt bei der bekannten Firma Wendt in Grünhainichen. In oder an dieser Figur war Platz für 5-Mark-Stücke, die je nach Anzahl der Familienangehörigen beigelegt wurden. Zur Kriegsweihnacht 1940 gab es einen Porzellanteller von Rosenthal.(s. unten) Heute sind die Weihnachts- gaben begehrte Sammlerartikel.1936: 7.000 Beschäftigte bei Wanderer 1937: Eine Notenschreibmaschine und eine Registrierkasse werden entwickelt und gebaut.1938: Die Firma streicht die Namen der beiden Gründer und heißt ab jetzt: „Wanderer-Werke AG“. Die 1.000.000. „Continental“-Schreibmaschine verlässt das Werk. Auf dem Gelände des ehemaligen „Wintergartens“ wird das 164 m lange und 20 m breite fünfstöckige Gebäude für den Addier- und Buchungsmaschinenbau errichtet. 1939: Auslieferung der 50.000. Buchungsmaschine. Mit Kriegsbeginn wurden Teile der Hauptproduktion, die für das Heer Verwendung fanden, als Rüstungsproduktion ausgewiesen.1942: Kriegsbedingte starke Reduzierung der Schreibmaschinenfertigung. Bau von weiteren Rüstungsgütern wie Kreiselkompassen, Zündspulen, Chiffriergeräten (die legendäre "Enigma") und Maschinenpistolen.1945: Das Werk hat den Krieg fast unbeschädigt überstanden. Totale Demontage des Werkes durch die Besatzungsmacht. Der Gesamtverlust wird auf 72 Millionen Mark geschätzt. Kurz vor Kiew wollen kriegsgefangene Wandererarbeiter ihre Maschinen wiedererkannt haben. Sie lagen auf einem Feld neben der Bahnstrecke und rosteten vor sich hin. Mit Genehmigung der Besatzungsmacht begann ab Mitte September mit 510 Werksangehörigen die Herstellung von Bedarfsgütern wie Kartoffelschälern, Zigarettendrehern, Feuerzeugen, Schuhschonern, Hosenspangen, Haarwickeln und diversen Scharnieren für die Bauwirtschaft. 1946: Enteignung durch Volksentscheid zu Gunsten des Landes Sachsen.1948: Löschung der "Wanderer-Werke AG" aus dem Handelsregister des Amtsgerichts Chemnitz auf Ersuchen der Landesregierung Sachsens. Gleichzeitig wird in München auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft nach München beschlossen. Chemnitz wird nur noch als Zweigstelle betrachtet. Als einziges Aktiva in die neue Firma wurden von den alten Leitungsmitgliedern die Zeichnungen und Konstruktionsentwürfe eingebracht, die vor Kriegsende vorsorglich nach Bayern gebracht worden waren. In Chemnitz werden mit 1.356 Beschäftigten bereits wieder 8.000 Schreibmaschinen, 250 Addier- und Buchungsmaschinen, 98 Fräsmaschinen und 4.800 Fräswerkzeuge hergestellt.1949: Umwandlung in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) unter dem Namen: Mechanik, Büromaschinenwerk Wanderer-Continental VEB Chemnitz Fortführung und Weiterentwicklung der Fertigung von Schreib- und Rechenmaschinen.1951: Umbenennung in: VEB Mechanik Büromaschinenwerk Wanderer-Continental Chemnitz Erste Buchungsmaschine Klasse 900 1953: Zusammenlegung mit den Astra-Werken zum: VEB Büromaschinenwerk Chemnitz1954: Wieder Trennung von den ehem. Astra-Werken und Umbenennung in: VEB Büromaschinenwerk Karl-Marx-Stadt Es wird eine goldene Schreibmaschine für einen Scheich gebaut. Die letzte Ausführung der Continental-Standardschreibmaschine erscheint.1955: Einstellung der Büromaschinenfertigung auf Ministerratsbeschluss und deren Verlagerung nach Erfurt. Dort werden bis 1958 noch 16.390 Stück Continental–Schreibmaschinen unter dem Namen „Opticon“ (Optima-Continental) hergestellt. Von 1904 bis 1955 wurden in den Wanderer-Werken Chemnitz folgende Schreibmaschinen hergestellt: „Continental Standard“: ca.1.900.000 Stück „Continental Silenta“: ca. 68.000 Stück „Klein-Continental“: ca. 700.000 Stück Umbenennung in: VEB Industriewerke Karl-Marx-Stadt Aufnahme der Fertigung von Flugzeugteilen für die geplante Flugzeugindustrie der DDR. In den unteren Etagen des bisherigen Conti- und Addibaus werden jetzt Flugmotoren, Luftschrauben, hydraulische Haupt- und Bugfahrwerke sowie zahlreiche Bordgeräte hergestellt.1958: 5.250 Beschäftigte, Errichtung der ersten neuen Werkhalle (Halle 25) auf den südlich der Bahnlinie liegenden Gelände für den Flugmotorenbau. Bis dahin wurden die Flugmotoren auf dem Freiprüfstand erprobt, was zu erheblichen Lärmbelastungen und Beschwerden der Anwohner führte.1959: Bau von vier Flugmotoren-Prüfständen mit den acht charakteristischen Betontürmen zum geräuscharmen Prüflauf.1961: Nach dem Absturz des von der DDR entwickelten Düsen-Passagierflugzeuges B 152, wird das kostspielige Projekt eingestellt. Das Werk wird dem Kombinat ORSTA-Hydraulik Leipzig angegliedert und es werden in der Folgezeit hydraulische Pumpen und Motoren hergestellt. 1971: Von 1971 bis 1986 wird die Produktion ständig erweitert. Vier neue Werkhallen entstehen für die Herstellung von Zahnradpumpen, Axialkolbenpumpen und Hydraulikschränken.1990: das Unternehmen wird mit 3.300 Beschäftigten als „Sachsenhydraulik GmbH Chemnitz“ in das Handelsregister eingetragen.1992: Durch den Zusammenbruch der Ostmärkte und durch Schrumpfung des Inlandsmarktes sinkt der Absatz der Erzeugnisse auf 10% des Umsatzes von 1989. Ähnlich ist die Entwicklung der Beschäftigtenzahl.1994: Das mit Mitteln der Treuhandanstalt sanierte Unternehmen wird mit 380 Mitarbeitern an das amerikanische Hydraulikunternehmen „Commercial Intertech Corp. verkauft. Es werden nur noch 30% der Gewerbeflächen des ehemaligen Industriewerkes genutzt. 2001: Übernahme durch den amerikanischen Konzern Parker-Hydrauliks und Fortführung der Produktion mit etwa der gleichen Beschäftigtenzahl am Standort Neefestraße 96.Die traditionsreichen Gebäude der ehemaligen Wanderer-Werke in Schönau befinden sich heute im Bestand der Treuhand Liegenschaften GmbH und sind nur zu einem geringen Teil an Kleinunternehmen vermietet.Ein Teil der zwischen 1895 und 1910 gebauten Wanderer Produktionsgebäude wurden abgebrochen bzw. fielen dem Bau einer Verbindungsstraße zwischen der Neefe- und der Zwickauer Straße zum Opfer. In der ehemaligen Halle 25 entstand im Jahre 2003 die „Chemnitz-Arena“, eine Mehrzweckhalle für Großveranstaltungen und Messen.(In dieser Chronologie wurde das Hauptaugenmerk auf die Schreibmaschine gelegt und die anderen Geschäftsfelder nur gestreift oder ausgeklammert.)

Weinachtsgaben der Wanderer-Werke: 1935: Lichterengel 1936: Weihnachtsmann 1937: Räuchermann "Schnitzer" 1938: Nußknacker 1939: 3 Kerzenleuchter 1940: Porzellanteller

Bilder von Conti-Schreibmaschinen

C o n t i n e n t a l



Sächsische Schreibmaschinen