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Venus

Die „Venus“ aus der OberlausitzIn Neugersdorf in der Oberlausitz (Sachsen) gründete Leberecht Zentsch 1896 eine kleine Bauschlosserei für alle Metallarbeiten, die im städtischen und ländlichen Raum nötig waren. Diese Schlosserei entwickelte sich in den Jahren recht gut. Aus Altersgründen übergab er den Betrieb Anfang des 20. Jahrhunderts an seinen Sohn Reinhard Zentsch, der die Schlosserei weiter ausbaute.Auf Grund des nach dem Ersten Weltkrieg bestehenden großen Bedarfs an Schreibmaschinen, entschloss sich Reinhardt Zentsch im Jahr 1922 in diese Erfolg versprechende Branche einzusteigen und gründete das „Venus-Werk Müller & Zentsch Neugersdorf in Sachsen“. Das genaue Gründungsdatum ist nicht mehr zu ermitteln. Dass die Gründung 1922 erfolgt sein muss, ist aus Annoncen in der Oberlausitzer Dorfzeitung vom 20. Januar und 5. März 1923 ersichtlich, in denen auf die Möglichkeit der Lieferung der Venus-Schreibmaschine aufmerksam gemacht wurde. In weiteren Annoncen in der Oberlausitzer Dorfzeitung aus dem Jahrgang 1923 wurde Fachpersonal gesucht, so z.B. ein Dreher (präziser Arbeiter) und ein Schleifer (in Vernickelung erfahren).Es ist somit wahrscheinlich, dass alle Teile der Venus-Schreibmaschine einschließlich der Vernickelung im Werk hergestellt wurden. Es ist leider nichts mehr bekannt über die Fertigungstechnologie, den Fertigungsumfang oder über eventuelle Zulieferungen.Die Konstruktion der „Venus“ basiert auf der 1913 von Hugo Gebhardt entwickelten, Schreibmaschine „Siegfried“, die offensichtlich über das Entwicklungsstadium und evtl. einige Prototypen nicht hinaus kam. Umkonstruiert zur „Venus“ wurde sie von Reinhold Müller und Richard Kretzschmar, letzterer früher bei Seidel & Naumann in Dresden tätig gewesen. Es handelt sich um eine vierreihige Vorderanschlagmaschine mit 45 Tasten nach Art der Wagnerschen Underwood mit Prellanschlag, Typenführung, Zeilenrichtern, Umschalter links, Umschaltfeststeller Unterreihe rechts, Rücktaste Ziffernreihe links. Die Maschine war nur für einfarbiges Band ausgerichtet, der Bandlauf musste mit der Hand umgestellt werden. Der Wagen konnte durch Rückwärtsdrehen von zwei Hebeln abgenommen werden. Die Venus war eine der Maschinen, die lebensfähig gewesen wären. Ein Teil der Maschinen ist unter der Bezeichnung „Transatlantik“, „Naumann & Co“, „Naco“ oder „Nauco“ verkauft worden. (Auszug aus Ernst Martin)Sie wurde in zwei Wagenbreiten geliefert und das Wagenwechselsystem war in dieser Art erstmalig und patentiert. Leider sind die Patentunterlagen nicht mehr verfügbar.Auf dem unten gezeigten Foto der Belegschaft des Venus-Werkes vom 14. April 1923 ist zu erkennen: in der ersten Reihe auf Stühlen sitzend der zweite von rechts Leberecht Zentsch (mit Vollbart) und vierter von rechts Reinhard Zentsch (neben der Schreibmaschine).Die Produktionsstätte befand sich damals im Hintergebäude der heutigen Neuwalder Str. 2. Eine gravierende Veränderung in der Struktur des Unternehmens erfolgte am 7. September 1923. An diesem Tag erfolgte die Eintragung des in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Betriebes in das Register der Handelskammer zu Zittau. Die neue Firmenbezeichnung lautete: „Venus“ Schreibmaschinen Müller & Zentsch AG. Dieser Schritt sollte der finanziellen Stärkung des Unternehmens dienen. Er war offensichtlich nicht sehr erfolgreich, da die beginnende Inflation ihre Auswirkungen bereits zeigte. Auch ein in den meisten Zeitungen der Oberlausitz Ende 1924 veröffentlichter großformatiger Aufruf „Kapitalisten gesucht“ brachte nicht den erhofften Erfolg.Die bereits vor dem Erscheinen der „Venus“-Schreibmaschine auf dem Markt vorhandene Konkurrenz der namhaften Schreibmaschinenhersteller mit ihren großen Stückzahlen, die einsetzende Zurückhaltung beim Kauf von Schreibmaschinen und die immer stärker werdende Inflation führten schließlich am 2. Januar 1925 zur Konkurseröffnung. Die Abwicklung der Liquidation des Betriebes war ein langwieriges Unterfangen. Erschwerend kam dazu, dass am 12. Januar 1925 in den Betriebsräumen des Venus-Werkes ein Brand ausbrach. Nach Auslösung des Feueralarms gegen 8.00 Uhr rückten die Wehren der Orte Neugersdorf, Hetzwalde, Leutersdorf, Spreedorf und Philippsdorf an. Sie brauchten jedoch nicht mehr in Aktion zu treten. Bei der Berichterstattung über diesen Vorfall verwies der Rat der Stadt Neugersdorf ausdrücklich darauf, dass keine Brandstiftung vorlag.Erst am 1. Februar 1933 wurde in einem Schlusstermin über die Erstattung der Auslagen und die Gewährung einer Vergütung an die Mitglieder des Gläubigerausschusses vor dem Ebers-bacher Amtsgericht entschieden. Reinhard Zentsch führte danach die Bauschlosserei weiter.So wurde die Schreibmaschine „Venus“, die heute ein begehrtes Sammelobjekt ist, nur in den Jahren 1923 und 1924 in Neugersdorf in Sachsen hergestellt.Der Autor hatte 2006 die Gelegenheit, in Neugersdorf den Sohn des Firmengründers des Venus-Werks, Herrn Alfred Zentsch, kennen zu lernen. Er wurde am 5. März 1940 geboren und kennt die Geschichte der „Venus“ noch aus den Gesprächen mit seinem Vater und aus eigenem beruflichem Erleben. Er hat bei seinem Vater den Beruf des Bauschlossers erlernt. Jahrelang wurden die noch vorhandenen Press- und Stanzwerkzeuge und anderen Materialien, die aus den Resten der Schreibmaschinenfertigung stammten, verarbeitet bzw. umgearbeitet zu neuen Werkzeugen. Herr Zentsch, damals im Ruhestand, war immer noch technisch sehr aktiv, indem er z.B. einen PKW selbst herstellte und mit vielen Umrüstvarianten ausstattete. Der Autor bedankt sich bei Herrn Zentsch und der Stadtbibliothek Neugersdorf für die Unterstützung.Aus den bekannten Publikationen über die „Venus“ geht hervor, dass bisher keine Maschine mit der Bezeichnung „Siegfried“ aufgetaucht ist und dass alle bekannten Maschinen nur die Namen „Venus“, „Transatlantic“ oder "Naumann&Co." tragen. Maschinen mit den anderen im Martin genannten Namen sind bisher nicht bekannt.Die Fertigungsnummern der bekannten in Sammlerhand befindlichen Maschinen liegen zwischen 563 und 971. Insgesamt sind nur noch 23 Maschinen mit dem Namen „Venus“, 5 mit dem Namen „Transatlantic“ und 1 mit dem Namen "Naumann & Co." bekannt.

Transatlantic # 735

Annoncen aus der Oberlausitzer Dorfzeitung 1923

Belegschaftsfoto anlässlich der Aufnahme der Schreibmaschinenfertigung

Venus # 677

Konstrukteure: Reinhold Müller und Richard Kretzschmar (letzterer früher bei Seidel & Naumann Dresden tätig) Hersteller: Müller & Zentsch, Neugersdorf Geschichte: s. unten Besonderheiten: nur einfarbiges Farbband Preis damals: 400 Mark Hergestellte Stückzahl: unbekannt, aber wenig

Venus / Transatlantik



Sächsische Schreibmaschinen